Junji Itō

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Junji Itō

Beitrag von Hirschi » Do 1. Okt 2015, 09:22

Junji Itō (*1963) ist ein japanischer Manga-Zeichner, der vor allem durch seine Horror-Manga bekannt wurde. Bereits über 30 Bücher wurden veröffentlicht, leider nicht in Deutschland. Seine Karriere begann 1987, als er beim Wettbewerb eines Mädchen-Horror-Manga-Magazins teilnahm und diesen gewann. Zu seinen bekanntesten Werken gehören Tomie, Gyo und Uzumaki. Viele wurden auch verfilmt.
Neben Kazuo Umezu zählt Itō die Manga-Zeichner Hideshi Hino und Shinichi Koga sowie die Schriftsteller Yasutaka Tsutsui und H. P. Lovecraft zu seinen Einflüssen. Masanao Amano urteilte, seine Werke seien „wunderschön gezeichnet“ und die Atmosphäre sei „alptraumartig unerträglich“. Er führte aus, er habe „einen ganz eigenen Stil, bei dem inmitten des Horrors irgendwo auch Komik erkennbar ist.“
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Junji_It%C5%8D

Als es Anfang der Woche in den News hieß, dass Itō im eingestellten Silent Hills involviert war, wurde ich richtig neugierig, weil ich bis dahin noch nie was von ihm gehört hatte. Ich habe Gyo und Uzumaki durchgelesen, Tomie angefangen - und bin begeistert! Die Zeichnungen sind unglaublich gut, sowohl die "normalen" Menschen/Umgebungen als auch die albtraumhaften Monster sehen verdammt gut aus. Auch die Geschichten selbst gefallen mir.

In Gyo geht es um den jungen Tadashi, der mit seiner Freundin Kaori einen Tauchurlaub auf Okinawa macht. Eines Abends bemerkt Kaori einen penetranten Geruch (sie ist sehr sensibel, was Gerüche angeht) und die beiden finden einen Fisch, der auf seltsamen, metallenen Beinen läuft, und dabei stinkt wie die Pest. Dieses Vieh verfolgt die beiden bis nach Hause und greift an; Tadashi schafft es, ihn in eine Tüte einzusperren. Er möchte das seltsame Wesen zu seinem Onkel, einem Wissenschaftler, mitnehmen. Am nächsten Morgen geht der Albtraum los: Aus dem Meer strömen zahlreiche Meerestiere, die alle auf diesen Beinen laufen. Sie sind höchst aggressiv und greifen die Bevölkerung an, Tadashi und Kaori werden sogar von einem Hai angegriffen. Dabei stinken alle Tiere und verströmen noch dazu ein übelriechendes Gas. Obwohl die beiden es schaffen, zurück nach Tokyo zu fliehen, ist es noch lange nicht das Ende. Auch dort wird die Bevölkerung von den Biestern attackiert. Kaori leidet mittlerweile an Paranoia und wird krank, bis auch sie das übelriechende Gas verströmt... Was es mit diesen seltsamen Beinen auf sich hat, wird übrigens auf nette, wissenschaftliche Art erklärt :)

Auch wenn dieser Manga schon ziemlich geil war, gefiel mir Uzumaki noch besser. Hier geht es um die Schülerin Kirie, die in der Kleinstadt Kurôzu-cho lebt, die von Spiralen heimgesucht wird. Alles beginnt damit, dass der Vater ihres Freundes Shuichi sich seltsam verhält, er zeigt seit neuestem eine krankhafte Vorliebe für alles, was Spiralen besitzt. So geht er nicht mehr zur Arbeit, stattdessen bestellt er sich alle möglichen Dinge mit Spiralen darauf und erfreut sich daran in seinem Zimmer. Als die Mutter alle Dinge verkauft und ihren Mann einweisen lassen will, "erkennt" dieser, dass er diese Objekte nicht braucht, weil er selbst zur Spirale werden kann. Shuichi und seine Mutter finden den Mann später in einem großen Bottich, in dem er spiralförmig deformiert liegt. Bei der Kremation seiner Leiche steigt spiralförmiger Rauch aus dem Schornstein und Shuichis Mutter hat seitdem eine furchtbare Angst vor allem, was spiralförmig ist, woraufhin sie sich sogar selbst entstellt. Shuichi ist der Einzige, der merkt, dass die Stadt mit Spiralen verflucht ist. Es folgen mehrere in sich abgeschlossene Kurzgeschichten, in denen es immer um einen spiralförmigen Fluch geht und Kirie irgendwie Kontakt dazu hat.

Ebenfalls interessant ist die Kurzgeschichte The Enigma of Amigara Fault, die als Bonuskapitel am Ende von Gyo steht. Hier geht es um den Fund seltsamer, menschenförmiger Löcher in einer Bergwand, die zahlreiche Menschen dazu veranlasst, dorthin zu pilgern. Sie fühlen sich von von jeweils einem Loch gerufen, das wie für sie gemacht zu sein scheint...

Horrorfans kommen bei Itō voll auf ihre Kosten. Kennt jemand seine Werke?
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Re: Junji Itō

Beitrag von Hawk » Do 1. Okt 2015, 21:27

Itōs Mangas sind wahre Kunstwerke. Ich liebe seinen detailreichen und vor allem individuellen Zeichenstil. Individualität ist in der Branche gar nicht mal mehr so häufig. Heute sieht ja irgendwie alles gleich aus.

Neben den Zeichnungen waren es aber auch seine groteske Geschichten, die mich neugierig machten. Uzumaki war herrlich bekloppt, als wenn Dali einen Manga nach einer Geschichte von Lynch zeichnen würde. Zusammen mit Hideshi Hino (dessen "Mermaid in a Manhole" mir immer noch schwer im Magen liegt) definitiv der richtige Mann für Silent Hills. Hätte so gut werden können...

Die Verfilmungen von Uzumaki und Tomie habe ich mir auch schon gegeben. Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. In Uzumaki wirken die Transformationen der Menschen eher lächerlich, als das man sich davor fürchten müsste. Der "Schneckenjunge" war geil! :mrgreen:

Lag wahrscheinlich auch am Budget, dass die Effekte eher mittelmäßig waren. Atmosphäre will dann auch nicht so wirklich aufkommen. Als Fan des Mangas kann man sich das aber mal antun. Gibt deutlich schlimmeres.

BTW: Kennst du die Werke von Shintaro Kago? Ähnlich durchgeballert der Mann. ;)

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Re: Junji Itō

Beitrag von Hirschi » Fr 2. Okt 2015, 08:35

Ich habs mir schon gedacht: Wenns einer kennt, dann unser guter Hawk :mrgreen:
Hawk hat geschrieben:Itōs Mangas sind wahre Kunstwerke. Ich liebe seinen detailreichen und vor allem individuellen Zeichenstil. Individualität ist in der Branche gar nicht mal mehr so häufig. Heute sieht ja irgendwie alles gleich aus.

Neben den Zeichnungen waren es aber auch seine groteske Geschichten, die mich neugierig machten. Uzumaki war herrlich bekloppt, als wenn Dali einen Manga nach einer Geschichte von Lynch zeichnen würde. Zusammen mit Hideshi Hino (dessen "Mermaid in a Manhole" mir immer noch schwer im Magen liegt) definitiv der richtige Mann für Silent Hills. Hätte so gut werden können...
Zu allem: Wie wahr!!
Waren das Animes oder Realverfilmungen, die du gesehen hast?
Wie heißt der Manga, auf dem "Mermaid in a Manhole" basiert? Finde nur Infos zum Realfilm.
Hawk hat geschrieben:BTW: Kennst du die Werke von Shintaro Kago? Ähnlich durchgeballert der Mann. ;)
Nein, ich kenne so gar nichts aus diesem Bereich, was ich aber ändern möchte. Die Google-Bildersuche zu Kago verspricht schon einiges :lol:
Welche Werke kannst du empfehlen? Und gibt es noch mehr empfehlenswertes von Itō?

A propos "lächerlich": Ich würds jetzt nicht so nennen, aber einige Bilder/Geschichten aus Gyo und Uzumaki hatten einen schon komischen Effekt. Ich denke aber, dass dieser beabsichtigt war, nach dem Motto: So absurd, dass es schon wieder lustig ist. Bei den aufgeblähten und furzenden Menschen in Gyo musste ich schon manchmal schmunzeln, so grausig es auch war. Oder die menschliche Kanonenkugel :lol:

Was hältst du eigentlich vom Ende von Uzumaki? Viele waren enttäuscht, ich fands eigentlich ganz passend.
SPOILER:
Vor allem, weil es zum Thema passend wie eine "Spirale" endete, alles fand seinen Ursprung an einem Ort, es gibt kein Entkommen. Auch wenn ich mir für Kirie und Shuichi die Flucht gewünscht hätte, irgendwo war es doch eine Art Happy End und fast schon romantisch, wie die beiden Liebenden in einer Spirale verweilten. Ich fands auch klasse, dass im letzten großen Kapitel, wo alles langsam den Bach runtergeht, auf viele vorige Kurzgeschichten zurückgegriffen wurde, so gab es wieder die Schneckenmenschen usw.
Der Mann hat schon geile Ideen. Bei jeder Spirale werde ich nun daran denken müssen :lol:
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Re: Junji Itō

Beitrag von Hawk » Fr 2. Okt 2015, 22:41

Hirschi hat geschrieben: Waren das Animes oder Realverfilmungen, die du gesehen hast? Wie heißt der Manga, auf dem "Mermaid in a Manhole" basiert? Finde nur Infos zum Realfilm.

Das waren Realverfilmungen und ja, die Filme und auch die Mangas regen besonders durch ihre Absurdität zum Schmunzeln an. Dennoch ist der Witz, gerade im Manga, immer noch mit einer Spur Ekel und Furcht verbunden. Das fehlte mir beim Film ein bisschen. Grundsätzlich ist es aber auch schwer das Look-and-Feel eines Mangas in einem Realfilm zu adaptieren.
SPOILER:
Am Ende von Uzumaki habe ich auch nichts auszusetzen. Ein wirkliches Happy End hätte ich mir auch nicht gewünscht. Gerade die Idee, dass sich alles wiederholt und wir der "Spirale" nicht entkommen können, macht doch erst den Horror aus. Auch dass der Ursprung des Phänomens unerklärt bleibt, verstärkt das ganze noch.


Mermaid in a Manhole basiert auf dem Manga Zoroku no Kibyō (蔵六の奇病). Der Film ist richtig schön ekelig und wirklich strange. Sicherlich kein Meisterwerk, aber die Idee ist schon ziemlich bizarr. War Teil der berühmten Guinea-Pig-Kurzfilmreihe, die außerhalb Asiens eigentlich erst durch Charlie Sheen bekannt wurde. "Flowers of Flesh and Blood", auch von Hino, kam irgendwie in Sheens Hände und dieser hielt die gezeigten Verstümmelungen in dem Film für echt, was dazu führte, dass Sheen dies prompt dem FBI meldete. :lol:
Hirschi hat geschrieben:Welche Werke kannst du empfehlen? Und gibt es noch mehr empfehlenswertes von Itō?
Von Kago kenne ich bisher auch nur die Illustrationen. Kago wird aber oft in einem Atemzug mit Itō genannt, weshalb ich auch auf seine Werke aufmerksam geworden bin. Besonders die Zeichnungen empfinde ich als ähnlich eindrucksvoll und surreal wie bei Itō.

Von Itō habe ich bisher auch nur Uzumaki und ein bisschen was von Tomie gelesen. Gyo hört sich, nach deiner Beschreibung, aber auch verdammt interessant an. Vielleicht zieh ich mir das demnächst mal rein. ;)

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Re: Junji Itō

Beitrag von Hirschi » Mo 5. Okt 2015, 08:35

Hawk hat geschrieben:Mermaid in a Manhole basiert auf dem Manga Zoroku no Kibyō (蔵六の奇病). Der Film ist richtig schön ekelig und wirklich strange. Sicherlich kein Meisterwerk, aber die Idee ist schon ziemlich bizarr. War Teil der berühmten Guinea-Pig-Kurzfilmreihe, die außerhalb Asiens eigentlich erst durch Charlie Sheen bekannt wurde. "Flowers of Flesh and Blood", auch von Hino, kam irgendwie in Sheens Hände und dieser hielt die gezeigten Verstümmelungen in dem Film für echt, was dazu führte, dass Sheen dies prompt dem FBI meldete. :lol:
Danke!
@Sheen: :tröööööt: Gabs beim guten Charlie wieder Schnee im Sommer?

Viel Spaß mit Gyo, ist ziemlich geil :) Die Kurzgeschichten am Ende sind auch super.

Da du Hideshi Hino erwähnt hast: Habe mir Hell Baby durchgelesen, kennst du das? Es ist nicht so lang, geht also in einem Rutsch. Der Zeichenstil ist schon verdammt cool, er ist cartoonhafter als andere Manga, aber nicht weniger verstörend. Besonders das Hell Baby sieht schon krass aus :lol: Jedenfalls fand ich den Manga echt gut, tolle Story mit Gruselatmo, das Ende war überraschend.
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Re: Junji Itō

Beitrag von Hawk » Mo 5. Okt 2015, 21:43

Hirschi hat geschrieben: Gabs beim guten Charlie wieder Schnee im Sommer?
Bild
Hirschi hat geschrieben:Da du Hideshi Hino erwähnt hast: Habe mir Hell Baby durchgelesen, kennst du das? Es ist nicht so lang, geht also in einem Rutsch. Der Zeichenstil ist schon verdammt cool, er ist cartoonhafter als andere Manga, aber nicht weniger verstörend. Besonders das Hell Baby sieht schon krass aus :lol: Jedenfalls fand ich den Manga echt gut, tolle Story mit Gruselatmo, das Ende war überraschend.
Ne, nur das Cover war mir bisher bekannt. Die Bilder auf Google versprechen aber einiges. :mrgreen:

Seh gerade auch, dass hier in Deutschland sogar Mangas von Hino erschienen sind. Hell Baby ist aber leider nicht dabei.

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