Gedichte

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Beitrag von Schamuaja » Do 1. Sep 2011, 21:20

Da ich dieses Unterforum sehr sehr schätze und hier gelativ wenig los is und ich wieder da bin versuch ich mal was ins Rollen zu bringen. Mir ist aufgefallen, dass es hier keinen Thread über Gedichte geht, aber da diese ja einen enorm großen Raum in der Literatur füllen, eröffne ich den hier mal. Schreibt auf welches eure Lieblingsautoren sind oder welche euch besonders gefallen udnd vielleicht wieso. :)

Ich mag ja Gottfried Benn und seine Gedichte aus dem Band Morgue sehr gerne.

Beispiel

Schöne Jugend

Der Mund eines Mädchens, das lange im Schilf gelegen hatte,
sah so angeknabbert aus.
Als man die Brust aufbrach, war die Speiseröhre so löcherig.
Schließlich in einer Laube unter dem Zwerchfell
fand man ein Nest von jungen Ratten.
Ein kleines Schwesterchen lag tot.
Die andern lebten von Leber und Niere,
tranken das kalte Blut und hatten
hier eine schöne Jugend verlebt.
Und schön und schnell kam auch ihr Tod:
Man warf sie allesamt ins Wasser.
Ach, wie die kleinen Schauzen quietschten!


Is aus Expressionusmus, ist eh meine Lieblingsepoche ;), aber ich stehe auf so grotesken Kram und das medizinische erheitert mein Herz soweiso enorm. Diese krasse Darstellung ist eben das ganze Gegenteil von den rosa, fluffigen Vorstellungen, die die meisten Gedichte bringen. Hat mir in der Schule zumindest sehr gut gefallen und es sagt ja auch nichts böses aus, nur dass der Mensch verdinglicht wird und quasi als Maschine fungiert. Heute haben wirs da ziemlich gut.
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Re: Gedichte

Beitrag von SoulCube » Do 1. Sep 2011, 22:54

Schreib auch selber wahnsinnig gern Gedichte, wobei die eher kumpelhaft sind und jetzt nicht so wahnsinnig poetisch. Aber bisher kamen se immer gut an *g* Ich mein, welche Freundin bekommt zum Geburtstag schon ein selbstgeschriebenes Gedicht? :trollface:

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Re: Gedichte

Beitrag von Schamuaja » Fr 2. Sep 2011, 10:58

Naja ehrlich gesagt, ich muss auch eher schmunzeln, wenn mir ein Mann seine Liebe in einem kreuzreimschema präsentiert :P. Das ist einfach heutzutage viel zu Klischeebehaftet, aber Hut ab, selber bin ich viel zu unbegabt um so etwas zu verfassen. Kannst ja mal eines deiner Werke zum besten geben :).
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Re: Gedichte

Beitrag von Guybrush » Fr 2. Sep 2011, 15:58

Naja, nicht unbedingt meine Paradedisziplin, aber ab und an lese ich auch gerne mal eines..
Meißtens lese ich was aus der Beat Literatur, vor allem Allen Ginsberg hat es mir angetan.
Ach ja, Reime müssen übrigends draußen bleiben.
Mein Hass auf all' die Deppen ist nach wie vor sehr gross
Auf dem Gipfel der Verzweiflung ist immernoch was los

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Re: Gedichte

Beitrag von Schamuaja » Fr 2. Sep 2011, 16:28

Guybrush hat geschrieben:Ach ja, Reime müssen übrigends draußen bleiben.


Der Meinung bin ich auch, diese Reimschemen sind gut und schön, aber nicht mein Geschmack. Quer durcheinander fasziniert mich da doch mehr.

Das musste ich übrigens mal in der Schule lernen :D

Goethe: Willkommen und Abschied

Es schlug mein Herz, geschwind, zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stand im Nebelkleid die Eiche
Ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah kläglich aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch frisch und fröhlich war mein Mut:
In meinen Adern welches Feuer!
In meinem Herzen welche Glut!

Dich sah ich, und die milde Freude
Floß von dem süßen Blick auf mich;
Ganz war mein Herz an deiner Seite
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter
Umgab das liebliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich - ihr Götter!
Ich hofft es, ich verdient es nicht!


Doch ach, schon mit der Morgensonne
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden
Und sahst mir nach mit nassem Blick:
Und doch, welch Glück, geliebt zu werden!
Und lieben, Götter, welch ein Glück

Leider nur ne 2 bekommen :DDD
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Re: Gedichte

Beitrag von Hirschi » Fr 2. Sep 2011, 23:15

Das Willkommen und Abschied gefiel mir auch immer wahnsinnig gut. Mein Lieblingsgedicht ist aber Prometheus vom selben Autor:

Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn;
Musst mir meine Erde
Doch lassen stehn
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.

Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.

Da ich ein Kind war,
Nicht wusste, wo aus noch ein,
Kehrt ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär
Ein Ohr, zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.

Wer half mir
Wider der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?

Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?

Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle
Blütenträume reiften?

Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, zu weinen,
Zu genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!


Ich war, bevor ich dies hier kannte, Fan der Prometheus-Sage, daher fand ich das Gedicht eigentlich von Anfang an sehr geil :)

Reime in Gedichten finde ich nicht schlimm, aber es darf auf keinen Fall herüberkommen wie "reim dich oder ich beiß dich".
I chose the language of gratitude

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