Neverwinter Nights 2: Mask of the Betrayer (PC)

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C. Shadow
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Neverwinter Nights 2: Mask of the Betrayer (PC)

Beitrag von C. Shadow » Sa 29. Jun 2013, 15:34

Neverwinter Nights 2: Mask of the Betrayer (Add-On)

Bild

System: PC
Genre: Rollenspiel
USK: Ab 12 Jahren
Entwickler: Obsidian Entertainment
Publisher: Atari
Sprache: Deutsch
Release: September 2007
Schwierigkeitsgrad: Frei wählbar
Preis: ca. 20€ (Complete Edition bei Amazon mit NWN1 oder Platinum Edition auf Steam / gog)

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Pro:Contra:
+ sehr fesselnde & außergewöhnliche Story- nach wie vor Performance-Probleme
+ ausgefallene Charaktere- Geistzehrer-Fähigkeit zerrt extrem am Spielspaß
+ viele neue & künstlerisch gestaltete Gebiete und Modelle- (selten) verbuggte Quests
+ fast ausschließlich neu komponierte Stücke
+ Verzauberung als neues Crafting-Element
+ verschiedene Enden & Entscheidungsmöglichkeiten in der Story
+ neue Klassen (Geistschamane, roter Magier)
+ mehr Rätsel als im Hauptspiel
+ Tageszeit spielt nun eine größere Rolle
+ deutlich düsterer als das Hauptspiel



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Fazit:
Nach Neverwinter Nights 2 ließ Obsidian nicht lange auf sich warten und veröffentlichte das erste Addon zum Spiel. Mit Neverwinter Nights 2: Mask of the Betrayer wird die Story des Hauptspiels fortgesetzt, allerdings in einer ganz anderen Richtung.
Während man in Neverwinter Nights 2 den Retter der Welten spielen durfte, dies aber ganz gut herübergebracht wurde, ist Mask of the Betrayer ein düsteres Abbild vom Hauptspiel. Man beginnt mit dem Hauptcharakter (der entweder neu erstellt wurde oder aus dem Hauptspiel importiert wurde) in Rashemen, einer Welt, die weit entfernt von Niewinter ist. Schnell stellt sich heraus, dass der Held einer komplett anderen Bedrohung gegenüber steht: Sich selbst. Die Story von Mask of the Betrayer ist kurz gesagt düster, wirr und steckt voller Überraschungen. Während die Truppe in Neverwinter Nights 2 ein recht munterer Haufen war, besteht er in Mask of the Betrayer aus komplett ausgefallenen Charakteren. Am Anfang des Spiels mag man etwas überfordert sein über den Aufbau der Geschichte, am Ende ergibt es jedoch Sinn.
Somit haben Storyliebhaber mit Mask of the Betrayer sicher das bessere Spiel vor sich, verglichen mit dem Hauptspiel. Dafür, dass Mask of the Betrayer nur ein Add-On ist, wurde in die Erzählung viel Aufwand gesteckt und das ist den Entwicklern mehr als gut gelungen.

Grafisch hat sich erst einmal nicht viel geändert. Man hat leider immer noch mit Performance-Problemen zu kämpfen, wenn man die Details voll aufdreht. Schön hingegen sind die vielen neuen Charaktermodelle und Außengebiete. In Neverwinter Nights 2 hat man sich schnell an die Hügel, Dungeons und Städt egewöhnt, Mask of the Betrayer setzt aber auf verschneite Gebiete, orientalisch angehauchte Städte oder Schattenwelten. Dies ist künstlerisch hübsch anzusehen und somit hat auch hier das Add-On die Nase vorn. Magie-, Licht- und Schatteneffekte sehen wie bereits im Hauptspiel stimmig aus und sind für die Zeit auf jeden Fall ein Augenschmaus. Neue Gegnertypen gibt's obendrein auch noch. Während man beispielsweise Schattenschreiter wiedersieht, sind z. B. Geisterarmeen oder Todesritter komplett neue Bedrohungen.

Ein großer Pluspunkt des Add-Ons ist der Soundtrack. Hier war ich sehr positiv überrascht, wie viel Aufwand reingesteckt wurde. Statt dem Recycling im Hautspiel ist tatsächlich der komplette Soundtrack neu komponiert und umfasst extrem schöne & stimmige Stücke, die das Geschehen perfekt untermalen. Sowohl düstere Songs als auch hastige Kampf-Themes sind an der Tagesordnung.
Besonders schön finde ich z. B. die Mulsantir Theme aus der ersten Stadt des Spiels. Die Atmosphäre der Stadt hebt sich auch durch die Musik stark von den anderen Städten ab, besonders im Vergleich zu Neverwinter Nights 2 selbst. Das wohl beeindruckendste Stück, das zu einem der wichtigsten Dialoge im Spiel kam, ist die Theme der Astralebene. Die hypnotische Stimmung, gepaart mit der dunklen Geschichte, hinterlässt eine sehr nachdenkliche Stimmung.
Wie erwähnt sind aber auch die Stücke im Kampf gelungen. Kämpfe in Mulsantir bringen die hastige Stimmung beispielsweise gut herüber.

Änderungen gibt es auch im gesamten System. Während man leider noch unter einigen Bugs leidet (bei 1-2 Sidequests), hat man wieder genug Möglichkeiten, das Spiel voll auszukosten. Als neues Crafting-Element wird z. B. die Verzauberung geboten. Gegner hinterlassen nun oft Essenzen, die man vereinigen oder umwandeln kann und somit seine Waffen & Rüstungen verzaubern kann. Neue Charakterklassen wie der rote Magier oder der Geisterschamane bieten ebenfalls Abwechslung, denn diese waren im Hauptspiel so noch nicht zu sehen.
Bekannt aus Baldur's Gate ist die Tatsache, dass das Rasten nun unterbrochen werden kann. Dies ist auch bei Mask of the Betrayer der Fall. Weiter spielt die Uhrzeit eine größere Rolle, gewisse Ereignisse sind z. B. nur Nachts auslösbar. Die Uhrzeit wird nun auch angezeigt. Weiterer Pluspunkt: Endlich gibt es mehr Rätsel. Das hat mir in Neverwinter Nights 2 sehr gefehlt und Mask of the Betrayer macht das besser.
Nun komme ich zum größten Problem des Spiels, was ganz sicher im Gameplay liegt und nicht ansatzweise in der Story. Die Geistzehrer-Fähigkeit. Ab dem 2. Akt erhält der Hauptcharakter neue Fähigkeiten des Geistzehrers und entwickelt einen Hunger sowie das Verlangen nach Seelen von Geistern. Dafür hat der Held einen eigenen Balken, den man füllen muss indem man Geister verschlingt. Geister trifft man oft genug im Spiel, auch Elementare gehören dazu. Problematisch ist aber, dass der Balken erstens recht schnell sinkt und zweitens Rasten den Balken auch sinken lässt. Da Rasten in D&D-Spielen sehr essenziell ist, leidet der Spielspaß extrem darunter. Rasten füllt z. B. nicht nur die Energie der Helden auf, sondern auch die Zauber, die man täglich benutzen kann.
Mit anderen Worten: Man kann es sich nur selten leisten, zu rasten. Rastet man zu oft, ist die Geistenergie zu niedrig und wenn der Balken auf Null geht, stirbt der Charakter und das Spiel ist verloren. Weiter kann die Fähigkeit, Geister zu verzehren, nur alle 5 Minuten eingesetzt werden - somit kann man das nicht einfach beliebig oft wiederholen. Die Fähigkeit zerrt ganz einfach extrem am Spielspaß und ich rate jedem, sich Konsolenbefehle zu suchen, um die Geistenergie zu füllen. In Notfällen ist dies nötig. Man kann zwar auch in Notfällen seine eigenen Erfahrungspunkte opfern um die Geistenergie aufzufüllen (per Fähigkeit), aber wer macht das schon?
Ohne der Geistzehrer-Fähigkeit hätte ich dem Spiel vermutlich 90% gegeben, denn diese ist meiner Meinung nach ein grober Einschnitt ins Gameplay - wenn auch eine Herausforderung.

Alles in Einem: Eines der stärksten Add-Ons, die ich je gespielt habe. Die Story, Charaktere, Atmosphäre und der Soundtrack überzeugen auf ganzer Linie. Die Spielzeit ist mit ca. 20 Stunden für ein Add-On auch völlig in Ordnung. Nur im Gameplay ist etwas Frust vorpgrogrammiert aufgrund der Geistenergie.


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Wertung:

Story & Kampagne: 10/10
Grafik: 8/10
Sound: 9/10
Atmosphäre: 9/10
D20-System: 6/10 (wegen Geistzehrer-Fähigkeit)
Umfang: 9/10
Bedienung & Interface: 8/10
Preis/Leistung: 10/10

86 %
Sur les tombes de nos ancêtres
S'accumulent morne neige et sinistre tristesse
C'est le poids du temps qui défile
Sur notre liberté, là enterrée

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