La-Mulana

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C. Shadow
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La-Mulana

Beitrag von C. Shadow » Sa 11. Jan 2014, 03:26

La-Mulana

Bild

System: PC
Genre: Puzzle-Platformer / Metroidvania
Entwickler: NIGORO
Publisher: Active Gaming Media Inc.
Sprache: Englisch, Japanisch, Spanisch, Russisch
Release: Juli 2012
Schwierigkeitsgrad: Schwer bis sehr schwer
Preis: ca. 14€ (Steam, im Sale sogar unter 3€)
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Pro:Contra:
+ authentische 16-Bit-Optik- oftmals extrem frustrierend
+ überraschend eingängiger und genialer Soundtrack- hakelige Steuerung
+ interessante Schöpfungsgeschichte, die man aufdecken kann- kryptische Puzzles
+ viele große Zonen voller Gegner und Rätsel- nur im 4:3-Format
+ zahlreiche Waffen, Items und Schätze
+ trotz hohem Schwierigkeitsgrad motivierend
+ intuitive Tastenbelegung
+ großartige und extrem fordernde Bosskämpfe

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Fazit:
Als Metroidvania angepriesen, erregte La-Mulana schnell meine Aufmerksamkeit bei Steam. Kurz zum Begriff: Beim Metroidvania handelt es sich um Platformer mit typischen Elementen aus der Metroid-Reihe oder Castlevania: Symphony of the Night, also herausfordernde Bosskämpfe, Backtracking, Puzzles, Gedächtnisproben etc.
Und wie das alles auf La-Mulana zutrifft. La-Mulana erschien tatsächlich 2005 schon einmal in Japan für Windows-PCs, komplett orientiert am Stil der MSX-Computern den 80ern. Das Release von 2013 auf Steam (2011 erschien das Spiel übrigens auch auf Wii als WiiWare) ist also ein Remake. Auf ein Spiel mit neuartiger Technik wird jedoch verzichtet, La-Mulana orientiert sich dieses Mal eher an der SNES-Ära, sowohl optisch als auch akustisch.
Man übernimmt die Kontrolle vom Abenteurer Lemeza Kosugi und erforscht die Ruinen von La-Mulana. Im Wesentlichen werden Story-Fetzen ähnlich wie z. B. in Metroid Prime über eigenes Forschen aufgedeckt, vor allem über das Lesen von Inschriften in den Ruinen. Die Handlung von La-Mulana ist hauptsächlich eine Schöpfungsgeschichte der Welt bzw. von den Ruinen von La-Mulana. Man muss durchaus viel nachforschen und sich einiges merken um die Zusammenhänge zu verstehen, aber sonst ist die Story nicht kompliziert und bietet besonders oberflächlichen Abenteurern keinen großen Reiz. Dialoge mit Nebencharkateren können dem Spieler übrigens auch weiterhelfen und in denen wird nicht an Humor gespart. Für einen Lacher ist das Spiel tatsächlich immer wieder gut.

Zwar präsentiert sich La-Mulana ungewohnt im 4:3-Format, wenn man aber bedenkt, dass man stets statisch auf einem Bildschirm ist, ist das nicht so schlimm. Hätte man sich auf ein 16:9-Format konzentriert, hätten viele Areale vielleicht komplett neu gestaltet werden müssen, weit weg vom Original. Beim Full HD-Monitor werdet ihr also um das Hauptspiel links und rechts einen Rahmen haben.
Sonst ist La-Mulana wirklich hübsch anzusehen und orientiert sich glaubwürdig am 16-Bit-Stil der SNES-Ära. Die Sprites sehen gut aus, sind hübsch animiert und Hintergründe wirken stets authentisch. Während viele Indie-Titel zwar versuchen, der SNES-Optik nahe zu kommen, dies aber nicht schaffen, ist La-Mulana sehr nahe dran. Besonders gelungen ist die Vielfältigkeit der Gebiete in den Ruinen von La-Mulana. Während Spring of the Sky eher ein Gebiet mit viel Wasser ist, ist die Inferno Cavern eine Lavahöhle. Jede Zone in La-Mulana hat noch eine eigene "Rückseite", die man in der Regel erst später erreicht. Oftmals sind diese recht unterschiedlich, haben aber eine ähnliche Struktur.
Die Rückseite vom Inferno Cavern ist z. B. der Tower of Ruin, ein futuristisch gestaltetes Gebiet. Passend zum umfangreichen Arsenal der Gebiete sind auch die Gegner recht vielfältig. In jedem Gebiet trifft man zwar auch ein paar bekannte Gegner, aber auch viele neue. Dies macht selbst kleine Kämpfe immer wieder reizbar.

Meine wohl größte Überraschung zu La-Mulana war der Soundtrack. Hier scheint das Spiel förmlich, jedes Gebiet hat passende Hintergrundmusik-Untermalungen, die unglaublich einprägsam sind. Diese klangen im Original von 2005 schon genial, aber im Remake sind sie noch einmal besser gelungen. Mr. Explorer, die Theme der Oberfläche, ist ein großartiger Ohrwurm und brennt sich förmlich als Stück des Spiels ein.
Auch Grand History, hörbar im Mausoleum of Giants, hat einen tollen Ohrwurm-Charakter. Themes wie Curse of Ocean (hörbar im Spring of the Sky) oder Primitive Dance (aus dem Endless Corridor) sind rhythmisch genial und geben dem Spieler wirklich einen Schub, weiterzuspielen. Auch die Rückseite der Ruinen hat einige einzigartige Stücke zu bieten.
Moonlight Dance oder Sky Tower sind einige tolle Beispiele, wie flexibel der Soundtrack ist. Von großartigen Basslinien bis eingängigen Melodien wird hier alles geboten.
Beim Soundtrack kann ich wirklich nur empfehlen, ihn einmal selbst zu hören. Auch abseits des Spiels gibt er einiges her, was man nur von wenigen Spielen der letzten Jahre behaupten kann.

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Nun zu den Spielmechaniken. Eins vorweg: La-Mulana ist wohl eins der schwersten Spiele, die ich jemals durchgespielt habe. Als Spieler wird man am liebsten oft den Controller gegen die Wand werfen. Ich weiß nicht, was es ist, aber La-Mulana schafft es immer wieder, mich zum Spielen aufzuraffen. Sind die Bosskämpfe bockschwer, will man den den Boss doch besiegen dank dem gelungenen Design der Kämpfe und der Befriedigung, die Kreatur niedergeschlagen zu haben. Scheinen die Sprünge noch so unschaffbar, man probiert es doch immer wieder. Da habe ich schon bei ganz anderen Spielen die Flinte ins Korn geworfen - bei La-Mulana war das nie der Fall.
Der hohe Schwierigkeitsgrad hat einige Gründe. Der erste sind die Rätsel. Wenn man sich nicht gerade jeden einzelnen Hinweis in den Ruinen merken kann, wird man früher oder später gegen eine Wand laufen. Die Rätsel sind kryptisch und leider ist oft nur ein Blick in die Wiki oder auf Youtube der letzte Ausweg. Der gigantische Umfang des Spiels ist hier Fluch und Segen zugleich. Zwar ist La-Mulana wirklich als gigantisches Metroid zu sehen, was natürlich für die Spielzeit spricht, aber gegen die Verständlichkeit. Das Backtracking und das nicht-lineare Design sollten bei so einer Spielgröße unbedingt etwas eingeschränkt werden, damit man irgendwann durch logisches Schlussfolgern ein Rätsel lösen kann und nicht völlig verzweifelt im Guide nachlesen muss.
Beispiel hierfür: Man trifft irgendwann auf einen Mini-Boss (Anubis) und kann diesen nicht besiegen. Das findet man schnell heraus, denn anstatt rot aufzublinken, blinkt Anubis grün auf. Das Spiel gibt keinen einzigen Hinweis, was nun zu tun ist. Man kann sich nur durch Hinweise, die IRGENDWO in den Ruinen sind oder durch halbwegs logisches Denken durchkämpfen. Da Anubis aus der ägyptischen Mytholgoie ist, ist vielleicht etwas im Temple of the Sun zu finden, denn das Gebiet ist von der ägyptischen Mythologie inspiriert.
Nicht nur das, auch findet man oftmals zerstörbare Wände, die nirgendwo markiert sind. Und oft sind diese der einzige Weg, weiterzukommen!

Neben den Rätseln sind die Kämpfe natürlich auch bockschwer. Die Bosskämpfe sind manchmal irrsinnig, ich musste meistens 5 bis 10 Game Overs je Boss einplanen, manchmal sogar mehr. Oft fliegen Lemeza Geschosse um die Ohren, aus jeder Richtung und dann soll man sich noch auf Angriffe des Bossgegners konzentrieren und seinen Angriff planen. Dem Spieler wird einiges an Multitasking, Geduld und Reaktion abverlangt um zu bestehen.
Um den Bogen zu den Spielmechaniken wieder zu spannen: Lemeza hat, wie es sich für ein Metroidvania gehört, eine Vielzahl an Waffen, Items und sogar Software zur Verfügung. Nahkampfwaffen können unbegrenzt eingesetzt werden, für Fernkampfwaffen steht Munition zur Verfügung, die entweder nachgekauft muss oder gefunden werden kann. Items können entweder passive Effekte (z. B. halber Schaden) oder nutzbar sein. Die Software ist wohl einer der innovativen Pluspunkte. Man kann sein Notebook mit Software ausstatten, jedoch nur begrenzt viel gleichzeitig laufen lassen. Diese ist z. B. nötig, um Karten anzuschauen, Texte in den Ruinen zu übersetzen oder geheime Effekte zu aktivieren. Manchmal sind auch Items und Software nur im zusammenspiel nutzbar.
Gerade hier wurde nicht gespart, denn es gibt insgesamt eine unglaubliche Vielzahl an versteckten Gegenständen und Software in den ohnehin zahlreich vorhandenen Gebieten.

Ein größerer Problembereich von La-Mulana ist noch die Steuerung. Das Sprungsystem ist, sagen wir mal, sehr ungewohnt. Es dauert seine Zeit, bis man es verstanden hat, aber dann läuft es in der Regel relativ flüssig. Im Gegensatz zu Platformern wie Super Meat Boy kann man keinen Anlauf nehmen und hat nur wenig Möglichkeiten, seinen Sprung zu lenken. Gegner, die einem im Flug treffen, machen einen komplett unfähig, seinen Sprung weiter zu lenken. Das trifft auch auf Leitern zu und man fällt nach genommenem Schaden immer von Leitern herunter. Das ist ein großes Problem des Spiels und erinnert an das erste Castlevania. Das ist leider nicht zeitgemäß und ich hoffe, dass solche Mankos in der Bedienung im angekündigten Nachfolger behoben werden.
Dafür ist die Tastenbelegung umso einfacher zu erlernen. Alles liegt intuitiv dort, wo es sein sollte (ich spreche vom Xbox 360 Controller) und mit den Schultertasten können schnell Waffen gewechselt werden. Lediglich Items müssen etwas umständlicher über das Inventar gefunden werden.

Alles in Einem einer der besten Metroid-Klone, die ich gespielt habe, aber dafür auch einer der schwersten. Man muss viel Geduld aufbringen und etwas resistent gegen Frust sein. Ansonsten ist das Spiel sein Geld voll wert! Gerade im Sale kann man zugreifen, wenn man auf das Genre steht.

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Wertung:

Story: 8/10
Grafik: 8/10
Sound: 10/10
Rätsel: 6/10
Kämpfe: 8/10
Umfang: 10/10
Bedienung & Interface: 6/10
Preis/Leistung: 9/10

81 %
Sur les tombes de nos ancêtres
S'accumulent morne neige et sinistre tristesse
C'est le poids du temps qui défile
Sur notre liberté, là enterrée

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