Philip K. Dick: Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

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Philip K. Dick: Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

Beitrag von Hirschi » Mo 8. Nov 2010, 23:37

Träumen Androiden von elektrischen Schafen?
(geschrieben am 22. November 2008)


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Originaltitel: Do Androids Dream of Electric Sheep?
Genre: Science Fiction, Dystopie
Autor: Philip K. Dick
Erscheinungsjahr: 1968
Länge: 160 Seiten (Auflage von 1971)
ISBN: Neu: 3453217284
Sonstiges: Nach Veröffentlichung der Verfilmung mit dem Titel "Blade Runner", die in den Kinos ein Flop war, sich aber mit der Zeit zum Kultfilm mauserte, wurde dasselbe Buch unter diesem Namen weiter verkauft. Dick starb kurz vor der Veröffentlichung.

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Handlung:

San Francisco, 1992 (in späteren Ausgaben mit neuem Titel 2019). Die Erde ist nach einem Atomkrieg kaum noch bewohnbar, die Strahlung verursachte Massensterben, geistige Degenerierung bei einigen Menschen, die infolge dessen zu Spezialfällen degradiert wurden, und die Ausrottung fast jeder Tierart, sodass es Kultstatus geworden ist, sich ein echtes Haustier halten zu können. Der Großteil der Menschheit ist zu den Kolonien auf den Mars übergesiedelt und bekommt für die Reise einen Androiden, einen einem Menschen täuschend ähnlich sehenden Roboter, zur Verfügung gestellt, nach dieser Reise dürfen die Androiden nicht mehr zurück auf die Erde und werden, falls sie dort gefunden werden und keine Nutzandroiden sind, von Prämienjägern gejagt und erledigt. Ein solcher Prämienjäger ist Rick Deckard, der aus unbestimmten Gründen auf der Erde bleibt und nach Androiden oder kurz "Andys" sucht, um sie zu töten und eine Prämie dafür erhält. Sein größter Traum ist es, sich ein echtes Tier kaufen zu können, er und seine Frau selbst besitzen nur ein elektrisches Schaf, das einem echten zwar sehr ähnelt, jedoch nicht wirklich lebt. Er spürt die Andys mit dem Voigt-Kampff-Test auf, der einen Roboter von einem echten Menschen mit Hilfe bestimmter emotionalen Fragen unterscheiden kann, da Androiden keine echten Gefühle besitzen. Im Laufe des Tages - der Roman handelt nur von einem Tag im Leben Deckards - kommen ihm dabei Zweifel, ob das, was er tut, richtig ist, da viele Menschen selbst sich wie Roboter verhalten.

Auf der Erde gibt es eine neue Religion der Gesellschaft, der Mercerismus. Mit Hilfe einer Gefühlsbox erreichen Menschen auf spiritueller Ebene einen Raum, in dem der Begründer dieser Religion, Mercer, einen ewigen Berg hinauf läuft und dabei unentwegt von Steinen getroffen wird. Mercer will den Menschen lehren, Empathie für andere Lebewesen zu empfinden und dass jedes Lebewesen eins werden kann; von dieser Religion sind die Andys jedoch ausgeschlossen. Ein sehr stark Gläubiger ist der Spezialfall J.R. Isidore, bei dem sich eines Tages drei illegal zur Erde eingewanderte Androiden einnisten. Deckard sucht diese mit Hilfe der Androiden Rachael Rosen, die angebliche Tochter des Chefs des Rosen-Konzerns, der die Roboter entwickelt.

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Fazit:

Ich bin so begeistert von diesem Meisterwerk, ich kann es gar nicht in Worte fassen. Schon lange nicht mehr hat mich ein Roman derartig berührt und in seinen Bann gezogen. Dick schafft es doch tatsächlich, auf wenigen Seiten viel Geschichte, viele Charaktere und viel Symbolik mit viel Aussage glaubhaft zu präsentieren, sodass ich einen ganzen Post mit der Handlung dieses Buches verfassen könnte. Das ganze Werk besticht durch seine düstere Atmosphäre, die ich sonst kaum in anderen Büchern finde und die Thematik der verschwimmenden Grenze zwischen Menschen und Androiden wird sehr gut herüber gebracht. Wer sich auch nur ansatzweise für derartige Themen interessiert, sollte dieses Werk auf jeden Fall lesen.

Außerdem wollte ich noch gesagt haben, dass die Verfilmung nicht annähernd an die Romanvorlage herankommt. Man dürfte in dem Fall überhaupt nicht von einer Romanverfilmung sprechen, da vieles, was den Roman ausmacht, im Film stark abgeändert wurde oder gar nicht vorkommt. Fans und Feinde des Films sollten die Vorlage meiner Meinung nach unbedingt lesen. Dem Autor Philip K. Dick wurde übrigens eine Menge Geld für die Umschreibung seines Werkes geboten nach der Vorlage des Films, was dieser jedoch ablehnte - ich danke ihm dafür.


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