Charlotte Roche: Schoßgebete

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Hirschi
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Charlotte Roche: Schoßgebete

Beitrag von Hirschi » Sa 20. Aug 2011, 17:46

Schoßgebete


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Originaltitel: Schoßgebete
Autor: Charlotte Roche
Genre: Unterhaltung (teils Erotik, teils Autobiografie)
Erscheinungsjahr: 2011 (August)
Länge: 288 Seiten bzw. 09:38:58 Stunden
ISBN: Buch: 349205420X - Hörbuch: 3869520884
Sonstiges: Das Hörbuch wurde von der Autorin selbst gelesen.

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Handlung:

Die Protagonistin Elizabeth Kiehl ist das Alter-Ego der Autorin, Charlotte Roche. Sie ist 33 Jahre alt und lebt seit nun sieben Jahren mit ihrem jetztigen, im Vergleich zu ihr älteren Mann zusammen. Mit ihrem früheren Geliebten hat sie eine Tochter, Liza, die sie besser aufziehen möchte als ihre Mutter sie und ihre Geschwister damals; außerdem möchte sie für ihren Ehemann als eine sexuell aufgeschlossene Frau dastehen, die seine Wünsche, wie Gruppensex, realisiert. Doch ihr gesamtes Leben wird von einem tragischen Unfall, der sich vor sieben Jahren an ihrem Hochzeitstag ereignete, bestimmt. In ihren Gedanken und den Dialogen mit ihrer Therapeutin hören wir, was sie wirklich dabei denkt und wie Elizabeth mit ihrem Leben klar kommt.

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Fazit:

Zunächst einmal muss man im Hinterkopf behalten, dass der Roman, genauso wie sein Vorgänger "Feuchtgebiete", teilweise biografisch zu verstehen ist. Hat Roche in ihrem Erstlingswerk die Scheidung ihrer Eltern verarbeitet, tut sie dies nun mit dem schrecklichen Unfall im Jahr 2001, bei dem ihre drei Brüder auf dem Weg zu ihrer Hochzeit verstarben und ihre Mutter schwer verletzt wurde. Auch die darauffolgenden Konsequenzen, wie die unverschämten Versuche der BILD (hier "Druck-Zeitung" genannt), den Verbliebenen Interviews abzuluchsen, werden erwähnt.

Der Roman bzw. in diesem Fall das Hörbuch beginnt mit einer detaillierten Beschreibung einer Sexszene zwischen Elizabeth und ihrem Mann Georg. Das soll wohl den Leser/Hörer ködern, und es klappt - diese Szene ist wahrlich eine der besten im gesamten Buch. Danach geht es weiter mit der Beschreibung eines recht langweiligen Lebens der Elizabeth; sie lebt seit sieben Jahren mit Georg zusammen, ihr Ex nebenan, damit die gemeinsame Tochter jederzeit hin- und herwechseln kann. Elizabeth hat keine Hobbies, bis auf das Kümmern um ihre Tochter, um ihren Mann und der fast tägliche Gang zur Therapeutin, der sie so ziemlich alles aus ihrem langweiligen Leben erzählt. Es ist fast schon traurig, dass die wenigen detaillierten Sexgeschichten und die Beschreibung von Fadenwürmern mitunter als das Spannendste hier ist.

Dabei verliert sich die Autorin (zu) oft in der Beschreibung der banalsten Dinge, was ihre Protagonistin gerade denkt, Bewusstseinsstrom an allen Ecken und Enden. Auch zu oft wird auf den schrecklichen Unfall, den Autorin und Protagonistin ja gemeinsam haben, herumgeritten. Es wird einfach an viel zu vielen Stellen darauf hingewiesen, Roche wiederholt sich außerdem wahnsinnig oft - vieles, was bereits angesprochen wurde, findet sich an anderer Stelle wieder, sogar fast mit demselben Wortlaut. Und dies führt dazu, dass dieses immerhin im Ansatz interessant scheinende Werk und die Hauptperson manchmal unglaublich nervig sind.

Noch etwas zum Schluss:
SPOILER:
Diesen fand ich absolut nicht gut. Mal ehrlich, es ist ja nett, dass Georg auch einmal auf Elizabeth eingeht und ihr deutlich sagt, dass sie nicht sterben soll und sie vermisst werden wird. Aber warum verlangt er von ihr, ein für sie wichtiges Dokument (das Testament) zu zerreißen, als ob das alle Probleme lösen würde? Noch dazu verlangt er eindeutig zu viel von ihr (woher kommt das eigentlich, ist das vielleicht die Rache, weil Elizabeth ihn vor der Paartherapie so schlecht behandelt hat?) und wenn er nicht bekommt, was er will - z.B. einen gemeinsamen Bordellbesuch (!!) - schmollt er wie ein Kind. Aha...


Zum Hörbuch:
Es ist von Vorteil und lobenswert, dass die Autorin ihr Werk selbst liest, sie weiß schließlich am besten, wie sie bestimmte Passagen meint und wo man Betonung einsetzen muss. Jedoch muss man leider auch sagen, dass einerseits Roches leicht quäkige Stimme etwas gewöhnungsbedürftig ist und andererseits sie manchmal so stark betont, dass das auch etwas oberlehrerhaft herüberkommt. Ganz besonders die sich immer wiederholenden Passagen...

Muss man nicht gelesen haben.
I chose the language of gratitude

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