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Hirschi
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Freaks

Beitrag von Hirschi » Mo 8. Nov 2010, 23:16

Freaks
(geschrieben am 22. Oktober 2009)


Bild

Originaltitel: Freaks
Genre: Horror
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 1932
Länge: 64 Minuten
Regie: Tod Browning
Hauptdarsteller: Harry Earles & Olga Baclanova
Wichtige Nebendarsteller: Henry Victor, Daisy Earles, Wallace Ford, Leila Hyams
USK: Ab 16 Jahren
Sonstiges: Der Film wurde nach den ersten Testaufführungen um gut 30 Minuten gekürzt, die fehlende halbe Stunde gilt heute als verloren.


Handlung:

Der Film beginnt mit einem Rundgang durch ein Kuriositätenkabinett, in dem der Ansager die Zuschauer zur grässlichsten Kreatur führt, die sie gerade da haben. Woher sie kommt, wer ihr das angetan hat, weiß man nicht. Es folgt ein Schwenk in die Vergangenheit (Zeitsprünge finden in alten Filmen sehr oft ohne Ansage statt), hier sehen wir zwei Männer, die sich vor den missgestalteten Menschen fürchten, die sie an einem Bach spielen sehen. Deren Mutter Madame Tetralini entgegnet ihnen, dass auch sie Menschen sind wie jeder andere auch und dass sie keine Angst vor den "Normalen" zeigen müssen. In einem Zirkus lernen wir weitere Haupt- und Nebendarsteller kennen, den Kleinwüchsigen Hans und dessen Verlobte Frieda, die sich gerade für ihren Auftritt vorbereiten. Doch Hans hat nur noch Augen für die Trapezkünstlerin und Normale Cleopatra, die sich von ihm umgarnen lässt und ihn jedes Mal dazu bringt, ihm etwas mehr Geld zu leihen, damit sie sich mehr und mehr kaufen kann. Sie weiß genau, dass Hans viel Geld besitzt und nutzt ihn deswegen aus.

Im Zirkus arbeiten weitere "Freaks", wie die siamesischen Zwillinge Violet und Daisy, die Frau ohne Arme Frances, der Hermaphrodit Josephine Joseph und der menschliche Torso, der ohne Arme und Beine auf die Welt gekommen ist und sich trotzdem problemlos mit Hilfe seiner Zunge eine Zigarette anzünden kann. Madame Tetralini bringt die anderen Freaks vom Beginn des Films, die sie wie ihre Kinder aufzieht, in den Zirkus, in dem sie sich von den normalen Darstellern tagtäglich dem Gespött unterziehen müssen. Auch über Hans wird sich die ganze Zeit nur lustig gemacht, selbst Cleo tut es, ohne dass er es merkt - er ist ihr sichtlich verfallen. Die Einzige, die es merkt und die etwas dagegen tun möchte, ist seine Ex-Verlobte Frieda, ebenfalls eine Kleinwüchsige. Sie besucht eines Abends Cleo um sie zu bitten, sich nicht mehr über Hans lustig zu machen, denn obwohl sie ihn an sie verloren hat, möchte sie nur, dass er glücklich wird. Daraufhin plaudert Frieda versehentlich aus, dass Hans ein Vermögen geerbt hat und Cleo ist fest davon entschlossen, Hans zu heiraten und ihm um sein Geld zu betrügen. Mit ihrem Geliebten Herkules, der ebenfalls im Zirkus arbeitet, schmiedet sie den Plan, Hans zu heiraten, diesen dann zu vergiften und mit dem Geld durchzubrennen.

Wieder einige Zeit später sind Hans und Cleo frisch vermählt, an einem Tisch sitzen alle Freaks des Zirkusses und feiern mit dem Brautpaar. Cleo ist stark betrunken, füllt Gift in Hans' Weinflasche und erzählt vor allen Leuten, dass sie eine Affäre mit Herkules hat, doch bis auf Hans und Frieda denken alle, es wäre ein Spaß. Frieda kann dies alles nicht mehr mit ansehen und verlässt die Party, während Hans sich sichtlich gedemütigt fühlt. Die Freaks beschließen, Cleo als eine von ihnen zu machen und geben einen großen Krug in die Runde, aus dem jeder trinken soll, doch Cleo kann nicht aus dem selben Glas wie diese Menschen trinken und rastet vollkommen aus. Sie beschimpft die Freaks als Missgeburten und schickt sie alle nach Hause.

Als Herkules und Cleo sich bei Hans entschuldigen und beteuern, sie wären betrunken gewesen und hätten es nicht so gemeint, wirkt das Gift und Hans wird krank. Die Normalen gehen davon aus, dass er einfach zu viel getrunken hätte, doch Hans sind endlich die Augen geöffnet worden und auch die Freaks warten nur darauf, Cleo zu überführen. Während Cleo ihrem kleinwüchsigen Gatten weiterhin Gift in die Medizin schüttet, beobachten die Freaks sie dabei und planen gemeinsam, ihr eine Lehre zu erteilen; denn sie haben einen Ehrenkodex untereinander: Wer einem von ihnen Schaden zufügt, wirkt sich das auf die gesamte Gruppe aus, was grausam gerächt werden muss.

Wer wissen möchte, wie der Film ausgeht:
SPOILER:
In einer stürmischen Nacht, in der der Zirkus weiter zieht, überfallen die Freaks Cleo und Herkules. Herkules wird von einem Messer getroffen und Cleo derart verunstaltet, dass sie selbst zum Freak wird. Die Szene wechselt wieder zur Anfangsszene, in der der Zuschauer endlich sieht, was denn die grässlichste Kreatur ist: Es ist die deformierte Cleo, die zu einem menschlichen Huhn verunstaltet wurde und nur noch quakende Laute von sich gibt.
In der Zwischenzeit wird Hans von Frieda besucht und ist traurig, dass das alles so weit kommen musste. Frieda tröstet ihn und die beiden kommen wieder zusammen.


Drei alternative Enden:
SPOILER:
Originales Ende:
Das ursprüngliche Ende wurde nur bei Testaufführungen gezeigt und dann rausgeschnitten, weil es für die Zuschauer zu verstörend wirkte. Man sieht Herkules, der grausam kastriert wurde und bei einem Auftritt Sopran singt und von Cleos quakenden Lauten begleitet wird. Dieses Ende gilt wie die gekürzte halbe Stunde verloren.

Alternatives Ende 1:
Der Film schließt mit der Szene vom menschlichen Huhn.

Alternatives Ende 2:
Nach der Szene mit dem menschlichen Huhn sieht man noch Frieda, wie sie Hans besucht. Dieser ist zwar traurig, doch es folgt kein Dialog mehr zwischen den beiden, in dem er sagt, dass er nicht wollte, dass es wo weit kommen würde.




Sonstige Infos:

Nach dem Erfolg "Dracula" von Browning wurde diesem ein Projekt vorgeschlagen, dass noch viel grausamer als alle anderen Horrorfilme seiner Zeit sein sollte und den Rest in den Schatten stellt. Das ist ihm zwar gelungen, jedoch mit negativen Effekt: Zu der Zeit, in der der Film gedreht und veröffentlicht wurde, hatten die Menschen ganz andere Moralvorstellungen als heute und sahen die Freaks im Film wirklich so an, wie es dargestellt wird. Grässliche Kreaturen, die keine Liebe Gottes erfuhren und im schlimmsten Fall sogar die Verkörperung des Teufels selbst sein sollten, was den Misserfolg noch verschlimmerte, war die Tatsache, dass die Freaks von wirklichen "Freaks" gespielt wurde und zum ersten Mal der Filmgeschichte keine Masken genommen wurden.
Der Film zeigt nun, dass die wahren Monster nicht jene Freaks sind, sondern die Normalen, die sich über die Freaks lustig machen und in keinster Weise gut wegkommen. Dies löste einen Skandal ohnegleichen aus, der Film wurde in vielen Staaten verboten, was sich widerrum schlecht auf Brownings weitere Karriere auswirkte und keine Angebote mehr erhielt. Wenn man sich diesen Film ansieht, muss man sich also im klaren sein, wie die Leute früher über körperliche und geistige Behinderungen dachten, damit er die richtige Wirkung erzielen kann.

Was ebenfalls sehr schade ist, ist die Tatsache, dass der Film ursprünglich über 90 Minuten lang war, nach den ersten Testaufführungen jedoch gekürzt werden musste. Dieses Material gilt wie das Original-Ende heute als verloren. In den gekürzten Szenen sieht man größtenteils Stellen der Folterung, die Herkules und Cleo erfahren müssen; dies war die Leute in den 30ern einfach zu viel und viele verließen die Aufführung schon vor Ende, eine Frau drohte sogar, die Entwickler wegen ihrer Fehlgeburt, die sie erlitt, zu verklagen. Browning hat es also geschafft, einen Horrorfilm zu drehen, der auch wirklich alles bisher gesehene in den Schatten stellte und einen moralischen Ansatz zu schaffen, der seiner Zeit um Jahrzehnte voraus war und keine Anhänger fand.

Zur DVD muss ich sagen, dass das Bild zwar nur in 4:3 vorhanden ist, außerdem ist nur die englische Originalsprache (mit einigen deutschen Sätzen) vorhanden, dafür jedoch genügend verschiedene Untertitel. Es gibt über drei Stunden Bonusmaterial, neben den leider nur zwei alternativen noch erhältlichen Endings Kommentare sowie einen Prolog, der die zentrale Aussage des Films wiedergibt.

Ich fand den Film sehr gut, da er wie schon angemerkt ein Denkmal in Sachen moralische Aspekte setzen wollte, es jedoch leider nicht schaffte. Immerhin hat er seine Anerkennung ab den späten 70ern doch noch erhalten, in dem er wieder entdeckt wurde und sich auch heute zahlreiche Anspielungen in der Popkultur wieder finden lassen.



Fazit: sehr gut


Ich habe hier mal ein bißchen mehr geschrieben als sonst, da sich der Film vergleichweise schwerer zu beschaffen ist als sonst. Vielleicht bekommt ja der eine oder andere Filmfan Lust darauf :)
I chose the language of gratitude

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