Hate Eternal - Upon Desolate Sands

Moderator: C. Shadow

Antworten
Benutzeravatar
C. Shadow
König des Waldes
König des Waldes
Beiträge: 23931
Registriert: Do 4. Nov 2010, 19:58
Geschlecht: männlich
Lieblingsspiel: Star Wars: KotOR, Chrono Cross
Kontaktdaten:

Hate Eternal - Upon Desolate Sands

Beitrag von C. Shadow » Sa 3. Nov 2018, 13:22

Bild
Hate Eternal - Upon Desolate Sands

Format: Vinyl & digital
Genre: Death Metal
Release: 26. Oktober 2018
Herkunft: Florida, USA
Label: Season of Mist
Line-Up:
Erik Rutan - Guitars, Vocals
J.J. Hrubovcak - Bass
Hannes Grossmann - Drums

Tracklist:
1. The Violent Fury 03:54
2. What Lies Beyond 03:08
3. Vengeance Striketh 04:39
4. Nothingness of Being 05:02
5. All Hope Destroyed 05:44
6. Portal of Myriad 04:13
7. Dark Age of Ruin 03:58
8. Upon Desolate Sands 05:01
9. For Whom We Have Lost 03:17

Total Playing TIme 38:56
__________________________________________

Hate Eternal, ein Name, der in der Death Metal-Szene fast jedem ein Begriff sein sollte. Erik Rutan ist nun seit vielen Jahren im Geschäft, sei es anfangs mit Ripping Corpse oder später auf Morbid Angel's Domination und Gateways to Annihilation. Während sein Einfluss auf Morbid Angel eher melodischer Natur war, speziell auf Gateways, lieferte er mit dem Hate Eternal-Debut Conquering the Throne ein ganz schön chaotisches Debütalbum, hier und da mit großartigen melodischen Einlagen. In den Jahren hat sich jedoch einiges getan, auch bezüglich der Besetzung.
Während wir zum dritten Mal in Folge J.J. Hrubovcak am Bass haben (der wieder einmal eine grandiose Arbeit abliefert), haben wir mit Hannes Grossmann mal deutsche Vertretung an den Drums. Wer bisherige Alben mit Hannes gehört hat, weiß: Dieser Mann haut nicht nur drauf, was das Zeug hält, er macht das auch mit einer unglaublichen Genauigkeit.

So, nun aber zum neuesten Album "Upon Desolate Sands". Das Cover-Artwork ist erneut vom Berliner Eliran Kantor, der bereits einige großartige Metal-Artworks in den letzten Jahren beigesteuert hat (Archspire, Bloodbath, uvm) und lädt definitiv zum Hören ein.
Das Album beginnt wie Infernus absolut ohne Kompromisse. "The Violent Fury" ist ein passender Titel, denn hier werden von der ersten Sekunde an keine Gefangenen genommen. Kompositorisch erinnert mich "The Violent Fury" offen gesagt an den Infernus-Opener "Locust Swarm". Beide starten sehr rasant und haben in der Mitte einen schönen melodischen Part. Auch wenn die beiden sich ähneln - ein großartiger Weg, ein Album zu eröffnen.
Mit "What Lies Beyond" haben wir einen Song, der einen effektiven Mix aus Blastbeat-Passagen und langsameren Groove-Parts wie dem Song-Intro bietet. Wer die Zeiten aus "Fury and Flames" aus kompositorischer Sicht vermisst, empfehle ich den dritten Song "Vengeance Striketh". Dieser gehört mitunter zu den anstrengenden Songs der Platte, hat aber ein schönes melodisches Gitarrensolo am Ende, was den chaotischen und hastigen Charakter gekonnt auflöst.
"Nothingness of Being" ist mitunter einer der Höhepunkt des Albums. Hier spürt man sofort die frühen Morbid Angel-Einflüsse der Domination oder der Gateways. Die Gitarrenriffs wiegen schwer und das kreative Drum-Spiel von Hannes rundet das Stück gekonnt ab.
Für die Lead-Gitarristen ist "All Hope Destroyed" ein absoluter Traum. Während dieses Stück anfangs sehr chaotisch, löst Erik diese Stimmung mit dem wohl besten Hate Eternal-Gitarrensolo auf. Wer sich an bisherige mehrstimmige Leads von ihm erinnert (Tombeau, Dogma Condemned, usw.), weiß was ich meine. Bisher mein Gitarrensolo des Jahres, was bei der irren Menge an Death Metal-Veröffentlichungen 2018 ein Statement ist.
"Portal of Myriad" und "Dark Age of Ruin" sind zwei gute Songs, beide mit hohem Tempo. Zweiterer ist etwas chaotischer und erinnert stilistisch wieder mehr an "Fury and Flames".
Eine große Überraschung ist der Titelsong. Er startet mit orientalischem Gesang über dem üblichen Hate Eternal-Gitarrenwall. Die Riffs hier sind wesentlich strukturierter und fast schon ungewohnt geradlinig im Gegensatz zu den bisherigen Songs. Toller Titelsong mit einer mystischen Atmosphäre, die das Cover-Artwork musikalisch super unterstreicht. Mit "For Whom We Have Lost" findet das Album sein Ende in einem Instrumental, das voll zu überzeugen weiß. Auch hier überzeugt Erik Rutan mit einem grandiosen Gitarrensolo.

Einen weiteren Punkt, den ich nicht vernachlässigen möchte, ist die Produktion. Diese ist meiner Meinung nach eine klare Steigerung zu Infernus. Die Gitarren klingen wärmer, aber nicht zu matschig - eine Kunst, die ich als Hobbyproduzent immer als schwierig erachte. Der Bass geht nicht unter und die Drums fügen sich geeignet in das Geschehen ein. Ich hatte nie den Eindruck, dass sie zu laut oder zu leise sind. Der Sound ist generell unglaublich aufgeräut und warm. Und meine große Überraschung: Das Album ist wirklich dynamisch (bezüglich der Lautheit). Gerade die Vinyl-Version bringt natürilch einen einzigartigen Klang mit, aber auch die digitale Version kann man hören, ohne dass einem die Ohren abfallen oder dass es ermüdet. Davon hätte sich Bloodbath gerne eine Scheibe abschneiden können dieses Jahr!

Nun, auch wenn ich das Album sehr gut und fast schon suchtgefährdend finde, zwei Schwächen hat "Upon Desolate Sands" für mich persönlich doch. Mit 39 Minuten ist es leider etwas kurz. Hätte gerne noch ein Song mehr sein können.
Außerdem finde ich es etwas schade, dass der Bass kompositorisch nicht mehr Spielraum bekommen hat, z. B. durch Bass-Soli. Vielleicht bin ich da durch Bands wie Obscura oder Beyond Creation etwas verwöhnt.

Trotz der kleineren Schwächen vergebe ich 4,5 Sterne! Es ist ein reiferes und wärmeres Album als Infernus, aber dafür etwas kürzer.

Bewertung: 4,5/5
Sur les tombes de nos ancêtres
S'accumulent morne neige et sinistre tristesse
C'est le poids du temps qui défile
Sur notre liberté, là enterrée

Benutzeravatar
Hirschi
Administrator
Administrator
Beiträge: 14241
Registriert: Sa 30. Okt 2010, 21:00
Geschlecht: weiblich
Lieblingsspiel: SH, TR, MGS, GTA, AW, DP, K7..
Spielt gerade: Adventures
Wohnort: Funky Town
Kontaktdaten:

Re: Hate Eternal - Upon Desolate Sands

Beitrag von Hirschi » So 4. Nov 2018, 17:29

Ui, eine neue Rezension!

Gut geschrieben, hast nix verlernt :)
39 Minuten sind tatsächlich etwas kurz. Aber wenn das Gesamtpaket stimmt, mag man gar nicht groß meckern!
I chose the language of gratitude

Benutzeravatar
Hawk
richtig hirschiger Hirsch
richtig hirschiger Hirsch
Beiträge: 1099
Registriert: Fr 5. Nov 2010, 21:17
Spielt gerade: ARMA3

Re: Hate Eternal - Upon Desolate Sands

Beitrag von Hawk » So 4. Nov 2018, 23:35

Dem kann ich nur zustimmen.
Klasse geschrieben und auf den Punkt gebracht!

Habe mir jetzt mal die Zeit genommen, in die ersten drei Songs reinzuhören. "Chaotisch" trifft eigentlich den Nagel auf den Kopf. Das bedarf sicher noch einige weitere Anläufe. Musste zeitweise auch an Ulcerate denken.

Ich weiß, eine Rezension schreibt sich nicht mal eben so nebenher. Trotzdem, gerne mehr davon. :)


Hatte auch schon überlegt, mal ein paar Filmrezensionen hier zu veröffentlichen. Die Tage vielleicht. ;)

Benutzeravatar
C. Shadow
König des Waldes
König des Waldes
Beiträge: 23931
Registriert: Do 4. Nov 2010, 19:58
Geschlecht: männlich
Lieblingsspiel: Star Wars: KotOR, Chrono Cross
Kontaktdaten:

Re: Hate Eternal - Upon Desolate Sands

Beitrag von C. Shadow » Mo 5. Nov 2018, 15:31

Danke euch! Bin seit vielen Jahren ein großer Fan der Band und letztlich doch süchtig nach der neuen Platte. Auch wenn ich finde, sie hat durchaus ihre (kleinen) Schwächen.
Wenn ich die Zeit finde, kommt definitiv noch ein Review zu Beyond Creation - Algorythm. Meine Platte des Jahres bisher! Aber dieses Jahr ist ohnehin die größte qualitative Albenflut im Death Metal seit 1993, meiner Meinung nach. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll.

@Hawk:
Ich schreib dir die Tage noch mal ne PN wegen dem Booklet (viiiieeel zu spät, sorry).
Sur les tombes de nos ancêtres
S'accumulent morne neige et sinistre tristesse
C'est le poids du temps qui défile
Sur notre liberté, là enterrée

Antworten