Inferi - The End of an Era | Rebirth

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Inferi - The End of an Era | Rebirth

Beitrag von C. Shadow » So 14. Apr 2019, 00:41

Bild
Inferi - The End of an Era | Rebirth

Format: digital
Genre: Technical Melodic Death Metal
Release: 12. April 2019
Herkunft: Nashville, Tennessee, USA
Label: The Artisan Era
Line-Up:
Malcolm Pugh - Guitars, Vocals (backing)
Mike Low - Guitars
Spencer Moore - Drums
Andrew Kim - Bass
Steve Boiser - Vocals

Tracklist:
1. The Ruin of Mankind 02:05
2. Gatherings in the Chamber of Madness 04:58
3. The Endless Siege 05:51
4. A New Breed of Savior 06:10
5. Sentenced to Eternal Life 04:49
6. The War Machine Embodiment 04:37
7. The Warrior's Infinite Opus 08:39
8. Quest for the Trinity 05:17
9. Forged in the Phlegethon 05:33
10. Cursed Unholy 06:38

Total Playing TIme 54:37
__________________________________________

Inferi, gegründet im Jahre 2006, hat sich in den letzten Jahren zu einer festen Größe im Technical Death Metal entwickelt. Die 2014 veröffentlichte Scheibe "The Path of Apotheosis" und besonders "Revenant" von 2018 haben einen fast schon einzigartigen Stil im Genre zementiert. Anfangs wirkten für mich Vergleiche mit The Black Dahlia Murder angebracht, mittlerweile muss ich sagen: Inferi sind eine eigene Liga. Das liegt an dem besonderen Mix aus sowohl super-melodischen und rasanten Riffs als auch epischen klassischen Passagen. Verglichen mit Bands wie Fleshgod Apocalypse sind diese aber seltener und weniger aufdringlich. Inferi gibt mir immer das Gefühl, gerade einen Krieger in einem Rollenspiel zu verkörpern - durch Gitarrenwände und Blastbeats. Das schafft bei mir sonst keine Band.
Nach "Revenant" gab es einige Wechsel in der Besetzung, Joel Schwallier (Bass) wurde durch Andrew Kim ersetzt, Sam Schneider (Gesang) durch Steve Boiser und Jack Blackburn (Drums) durch Spencer Moore. Nicht mal ein Jahr später bekommen wir bereits ein neues Album - ganz neu ist das jedoch nicht. Es handelt sich um eine komplette Neuaufnahme des 2009 veröffentlichen Albums "The End of an Era". Das ist im Gegensatz zu den bereits genannten Alben etwas unter dem Radar vieler Fans und zudem nicht so gut produziert. Komplettes Recycling wurde allerdings nicht betrieben, die Songs wurden mit mehr Orchester angereichert und einige Gitarrenspuren wurden harmonisch bereichert.

Das Album beginnt mit "The Ruin of Mankind", einem Instrumental-Stück, das neben einer Marsch-Stimmung schon epische Orchestereinlagen bietet. Das geht wunderbar über in das erste richtige Stück, "Gatherings in the Chamber of Madness". Hier werden keine Gefangenen genommen und die Blastbeats schlagen direkt ein. Die Gitarren bleiben jedoch jederzeit melodisch und eine tolle Lead-Melodie trägt das Stück immer wieder und gibt ihm einen Wiedererkennungswert. Der Gesang von Steve Boiser ist definitiv ein großes Plus und füllt die Lücke nach "Revenant" mehr als nur würdig.
Viele Songs haben extremen Wiedererkennungswert und in der Hinsicht unterscheidet sich die Platte auch durch "Revenant", das einen anfangs überfordern kann durch den Tech-Anteil. Fairerweise muss man sagen, "The End of an Era | Rebirth" ist kompositorisch etwas aufgeräumter und hat in vielen Songs Passagen, die hängen bleiben. Dazu gehört nicht nur die tragende Lead-Melodie in "Gatherings in the Chamber of Madness", sondern auch das Outro von "The Endless Siege", die grandiose Melodie bei der 4-Minuten-Marke in "A New Breed of Savior", der Break bei 2:42 in "The War Machine Embodiment" oder das dramatische Piano-Intro in "Cursed Unholy". Das Album bietet somit eine grandiose Mischung aus Tech-Gefrickel, mächtigen Leads, Breaks und einprägsamen Gitarrensolos. Die Drums hämmern oftmals wie ein Maschinengewehr durch, sind dabei aber immer auf den Punkt. Steve Boiser und Malcolm Pugh steuern beide sehr hohe Screams als auch tiefe Growls bei, die sich großartig ergänzen. Der Bass begleitet das ganze Gitarren- und Drum-Gewitter sehr passend, hier und da sind auch hohe Bassläufe und Solos zu finden - was im Tech Death genretypisch ist und hier nicht fehlen darf. Wie auf den beiden Vorgängern überzeugen die Gitarrensolos von Malcolm Pugh und Mike Low wieder komplett. Oftmals zweistimmig und trotz Shredding und Sweeping sehr einprägsam. In der Hinsicht scheint besonders der zweite Instrumental-Song "The Warrior's Infinite Opus", der mit über 8 Minuten auch gleichzeitig der längste auf dem Album ist. Aber auch Songs wie "Sentenced to Eternal Life" oder "Forged in the Phlegethon" haben umwerfende Gitarrensolos.

Produziert ist "The End of an Era | Rebirth" deutlich sauberer als alle Vorgänger, dabei mangelt es trotz vorliegender digitalen Version zum Glück nicht an Dynamik. Vom Sound ist die Platte schlichtweg umwerfend, der störende Mittenbrei aus "Revenant" ist weg. Damit ist der Weg frei für richtig scharfe Gitarrenwände, astrein gemischte Drums und brutale Vocals. Das einzige, was mich etwas stört am Mix, ist der Bass. Er ist zwar relativ gut hörbar (speziell die Anschläge, was ich bei der Musik als angenehm erachte), fällt bei melodischen Läufen oder Bass-Solos fast nicht auf. Das ist natürlich schade, da der Bass kompositorisch hier auch interessant ist und Andrew Kim ein grandioser Bassist ist. Abgesehen davon mit Abstand Inferis beste Produktion - klar, aufgeräumt und trotzdem brutal.

Bisher mit Equipoise - Demiurgus mein persönliches Höhepunkt im Jahr 2019. Lange hat mich ein Album nicht mehr so süchtig gemacht!

Anspieltipps: Gatherings in the Chamber of Madness, The War Machine Embodiment, The Warrior's Infinite Opus, Forged in the Phlegethon, Cursed Unholy

Bewertung: 5/5
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Re: Inferi - The End of an Era | Rebirth

Beitrag von Hawk » Mi 17. Apr 2019, 11:00

Wie immer, sauberes Review!

Hatte jetzt auch schon einige Male in die Platte gehört und stimme dir in puncto "Wiedererkennungswert" zu. Die Mischung macht's in diesem Fall bzw. ist das Verhältnis zwischen Atmosphäre und technischen Geklöppel sehr ausgeglichen. Gerade wenn es zu technisch wird, steige ich meisten aus. Hier habe ich jedoch beim Hören wirklich das Gefühl in eine Welt hineingezogen zu werden und das ist für mich ein großer Pluspunkt.

Habe das Album kürzlich einem Kumpel empfohlen, der nun ähnlich davon angetan ist und das obwohl er Tech-Death nicht unbedingt zu seinen Lieblingsgenres zählt.

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Re: Inferi - The End of an Era | Rebirth

Beitrag von C. Shadow » Mi 17. Apr 2019, 13:20

Hawk hat geschrieben:
Mi 17. Apr 2019, 11:00
Wie immer, sauberes Review!

Hatte jetzt auch schon einige Male in die Platte gehört und stimme dir in puncto "Wiedererkennungswert" zu. Die Mischung macht's in diesem Fall bzw. ist das Verhältnis zwischen Atmosphäre und technischen Geklöppel sehr ausgeglichen. Gerade wenn es zu technisch wird, steige ich meisten aus. Hier habe ich jedoch beim Hören wirklich das Gefühl in eine Welt hineingezogen zu werden und das ist für mich ein großer Pluspunkt.

Habe das Album kürzlich einem Kumpel empfohlen, der nun ähnlich davon angetan ist und das obwohl er Tech-Death nicht unbedingt zu seinen Lieblingsgenres zählt.
Danke! Ich schreibe bei Gelegenheit noch ein Review zum Vorgänger "Revenant", das ist schon eine andere Welt. Ich persönlich finde Revenant etwas besser, wenn ich mich entscheiden müsste - aber es ist sehr "einsteigerunfreundlich". Das Tab-Buch spricht mit 300 Seiten auch Bände, die Songs sind auch für mich eine Hausnummer.
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