Paolo Coelho: Veronika beschließt zu sterben

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Paolo Coelho: Veronika beschließt zu sterben

Beitrag von Hirschi » Mo 8. Nov 2010, 22:34

Veronika beschließt zu sterben
(geschrieben am 29. Oktober 2008)


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Originaltitel: Veronika decide morrer
Genre: Drama
Autor: Paulo Coelho
Erscheinungsjahr: 1998
Länge: 223 Seiten
ISBN: 3-257-23305-1

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Handlung:

In Ljubljana (Slowenien) beschließt die 24-jährige Veronika in ihrer Wohnung zu sterben. Es mangelt ihr an gar nichts, nur kann sie ihr ewig tristes Leben ohne Höhen und Tiefen nicht mehr ertragen und hat sich schon einige Packungen Schlaftabletten besorgt. Wie es der Zufall so will, wird sie bewusstlos, aber noch lebend, gefunden und in die Psychiatrie namens Villete gebracht, in der man ihr auch noch offenbart, dass die Tabletten ihr Herz angegriffen haben und sie in spätestens sieben Tagen sterben wird.

Obwohl Veronika dem Tod geweiht ist und sowieso sterben möchte, halten die Mitarbeiter der Anstalt sie am Leben und verweigern jegliche Sterbehilfe. Auch sind dabei die Absichten des Direktors lange unklar, der Veronika anscheinend nur aus Profitgier am Leben erhält. Veronika findet sich mit ihrem Schicksal ab und möchte nichts Lebenwertes mehr in ihrer verbleibenden Zeit entdecken, da ihr so der Abschied noch viel schwerer fallen könnte. Jedoch bemerkt sie erst jetzt, hilflos dem Tode ausgeliefert, dass es auch schöne Dinge im Leben gibt, dass sie sich verändern kann und zu ihrem Glück selbst beitragen kann.

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Fazit:

Der Roman fängt sehr gut an. Er ist in einem typischen distanzierten Coelho-Stil geschrieben, der mir wirklich sehr gut gefällt; die Charaktere werden nur von außen betrachtet, über innere Gefühle erfährt man kaum etwas. Dafür sind die Charaktere auch um so interessanter, besonders die Hintergrundgeschichten der weiblichen Insassen Zedka und Mari sind toll ausformuliert und wirklich schön/traurig. Coelho ist für einige etwas metaphysische Dinge bekannt, so z.B. das "Seelenwandern", das Zedka mitmacht, stört jedoch nicht die Geschichte, da dies kaum beleuchtet, sondern nur kurz darauf eingegangen wird. Der Anfang war sogar etwas witzig, da Veronika kurz vor ihrem Tode noch einen wütenden Leserbrief an eine Videospielzeitschrift schickt, von denen der Schreiber (der Autor selbst) nicht einmal wusste, wo Slowenien überhaupt liegt, und daher nun alle denken, sie wollte sich aus diesem trivialen Grund umbringen.

Ab der Mitte des Romans sieht es jedoch ganz anders aus. Die Charaktere machen zwar eine Entwicklung durch, aber die ewigen pseudophilosophischen Sätze sind auf Dauer einfach nur nervig; anders kann man es nicht beschreiben. Es ist schön und gut, wenn der Autor etwas vermitteln möchte, aber ab einem Punkt reden wirklich alle nur noch in krypischen Sätzen und wollen ständig belehren, mich persönlich hat es wirklich genervt, als ob alle sich in eine Horde voller Klugscheißer verwandelt haben. Wie ich schon auf einer Amazon-Rezension gelesen habe, ist der Roman (ab der Mitte) eine Aneinanderreihung von Binsenweisheiten, die besagen, dass im Leben eine Portion Verrücktheit nun mal dazu gehört. Ich muss auch sagen, das Ende ist nicht wirklich befriedigend, es ist äußerst kitschig und klischeehaft, außerdem auch erahnbar. Wirklich, wirklich schade, denn der Roman begann so vielversprechend.


--> 6/15 Punkten ("ausreichend")
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